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Sick - Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod 3Bastina Sick - Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod - Folge 3
Noch mehr Neues aus dem Irrgarten der deutschen Sprache

Davon kann es nicht genug Folgen geben. Und Bastian Sick wird wohl auch noch genug Stoff für die eine oder andere Fortsetzung seiner Erfolgsreihe finden.
Wie schon in Folge 1 und 2 bietet Sick auch in diesem Buch einen unterhaltsamen Wegweiser durch den deutschen Sprachdschungel. Die Zwiebelfisch-Kolumnen müssten Pflichtlektüre an allen Schulen sein. Schüler Achtung! Sprache kann auch Spaß machen!
Die Lektüre von Bastian Sicks Büchern lässt die Leser auf jeden Fall aufmerksamer un bewusster mit unserer Sprache umgehen. Und das kann bestimmt nicht schaden! Die deutsche Sprache ist es wert.

Verlagsinfo:
Wie kommt man richtig nach Aldi? Und wie zu gutem Deutsch
Beachtet man ein paar wenige Dinge und schaut auch mal zweimal hin, so ist es gar nicht so schwierig, richtiges und gutes Deutsch zu sprechen und zu schreiben. Leider hat es uns die Rechtschreibreform nicht leichter gemacht, und wenn ab August 2006 die neuen, reformierten Regeln für alle Schüler und Behörden gelten, wird man ihn noch dringender benötigen: den neuen Sick.
Das wesentliche Problem der Reform – und somit erheblicher Nachbesserungsbedarf – zeigte sich auf dem Gebiet der Zusammen- und Getrenntschreibung. Da waren nämlich Wörter auseinander gerissen worden, die in zusammengeschriebener Form nie ernsthafte Probleme bereitet hatten. Der diensthabende Offizier war zum Dienst habenden Offizier degradiert worden. Dem Gesetzgeber tut es längst leid, dass er die Rechtschreibung überhaupt je zur Reformsache gemacht hat. Zwischendurch tat es ihm Leid (mit großem L), und nun doch wieder leid. Die Lehrer und Schüler, die von »leid tun« auf »Leid tun« umdenken mussten und sich nun an »leidtun« gewöhnen sollen, können einem nur leid ... Leid ... also, die kann man nur bedauern.
Bastian Sick hat auch in der dritten Folge seiner Sprachführer Unglaubliches und Amüsantes, Seltsames und Ungeheuerliches zusammengetragen. Auf seine unnachahmliche Art zeigt er uns den Weg aus den Wirrnissen, gibt kluge Hinweise und lässt auch mal den Dialekt zu seinem Recht kommen.
Nach den ersten beiden Bänden, die sich weit über 2 Millionen Mal verkauft haben, schließt diese Folge die Reise durch den Irrgarten der deutschen Sprache ab.
Mit neuem »Zwiebelfisch«-ABC!

 Kiepenheuer & Witsch, ISBN 978-3-462-03742-5, Taschenbuch, 272 Seiten, 8,95 €

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Strunk - Fleisch ist mein GemüseHeinz Strunk - Fleisch ist mein Gemüse
Eine Landjugend mit Musik

Als ich anfing dieses Buch zu lesen, meinte ich es durch seine ausführliche Medienpräsenz in den letzten Jahren schon einigermaßen zu kennen - es hatte reichlich Vorschusslorbeeren geerntet. Vielleicht ist meine Enttäuschung darin begründet. Das Buch hat sicherlich einige sehr schöne, humorvolle, meist tragikomische Stellen. Es hält auch sehr schön die Balance zwischen Tragik (Krankheit und Tod der Mutter, Selbstmord der Nachbarin, Pickel und Perspektivlosigkeit des Ich-Erzählers) und Komik (Selbstironie, Zeichnung skurriler Charaktere, Wortwitz), aber es hat auch reichlich Längen - vieles wiederholt sich -, die einen zwischendurch immer wieder ermüden.
Völlig überflüssig ist der Anhang dieser Ausgabe (das Buch zum Film), in dem ausführlich über die meist eher unbekannten Schauspieler und deren künstlerisches Schaffen berichtet wird. Noch halbwegs interessant sind die Interviews, auch wenn es hier reichlich inhaltliche Wiederholungen gibt. Völlig uninteressant sind hingegen die Filmographien (vom Hauptdarsteller bis zum Kameramann!). Dieser Anhang wäre ein brauchbaren Booklet für ein Hörbuch oder eine DVD, hat in diesem Buch jedoch nichts zu suchen.
So, jetzt habe ich wenig über den Inhalt des Buches gesagt. Doch der ist mittlerweile wohl auch weitestgehend als bekannt vorauszusetzen (Buch, Hörbuch, Hörspiel, Musical, Film). Im Grunde sagt der Untertitel “eine landjugend mit musik” ja auch schon alles aus.
Wie sieht also mein Fazit aus? “Geil abgeliefert?” Naja, Tanzmucke halt.

Verlagsinfo:
Das eigenwillige Erinnerungsbuch «Fleisch ist mein Gemüse» ist einer der großen Überraschungserfolge der letzten Jahre. Nach Hörbuch, Hörspiel und Bühnenstück wird die Geschichte von Heinz und seiner Schützenfest-Kapelle nun endlich mit großem Aufwand für die Leinwand verfilmt. Das Buch zum Film versammelt neben dem Roman zahlreiche Bilder, Texte und Informationen.

 rororo, ISBN 978-3-499-24641-8, Taschenbuch, 304 Seiten, 8,95 €

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Cartarescu - Warum wir die Frauen liebenMircea Cartarescu - Warum wir die Frauen lieben
Geschichten

In “Warum wir die Frauen lieben” erzählt der rumänische Autor Mircea Cartarescu (Jahrgang 1956) in neunzehn kleinen Geschichten von den Mädchen und Frauen, die ihn und sein (literarisches) Leben geprägt haben. Es sind also vor allem die Frauen seiner Jugend. Wir erfahren von erfüllter und unerfüllter Liebe, von Erinnerungen und Wiederbegegnungen, von der Liebe im Großen und vor allem von der Liebe im Kleinen. Cartarescu lässt uns für kurze Momente durchs Schlüsselloch gucken und an - der Klappentext nennt sie zurecht so - magischen Momenten seines Lebens teilhaben.
Vielleicht lernen wir nicht “warum wir die Frauen lieben”, aber wir lernen, warum Mircea Cartarescu die Irinas, Petrutzas und Zarazas liebt. Ein Autor, der mit der Sprache und dem Leser wunderbar spielen kann. Lesenswert.

Verlagsinfo:
Mircea Cartarescu, dessen gewaltiger Roman »Die Wissenden« als »Meisterwerk des literarischen Manierismus« (NZZ) gefeiert wird, umkreist in allen seinen Büchern eine so rätselhafte wie unverzichtbare Erfahrung: die »namenlose Ergriffenheit«. Eine Ergriffenheit, wie Frauen sie auslösen, aber auch das Leid einer unerwiderten oder verlorenen Liebe; eine Ergriffenheit vom Leben überhaupt, das hin und wieder von den »verrückten Blitzen des großen und wahren Glücks durchzuckt wird«.
Da ist Irina, Literaturstudentin aus Brasov, die dem jungen Dichter Nabokov und D.H. Lawrence nahebrachte und sich von der Securitate anwerben ließ. Oder die Hermannstädter Rumänin in Paris, die mit einem Algerier zusammenlebt und ihn zu einer Nacht zu dritt verführen will. Mircea selbst ist ein hochsensitives, schönheitstrunkenes Subjekt, das mal als blasser, traumverlorener, offenbar recht unscheinbarer junger Mann im Bukarest der siebziger Jahre die Szene betritt, mal als langhaariger Jüngling in Lederjacke auf den Spuren Ferlinghettis und Kerouacs durch San Francisco läuft. Wir lieben die Frauen, so der größte Sprachkünstler der rumänischen Literatur, weil sie außergewöhnliche Leserinnen sind. Und wir lieben Cartarescu, weil er dem schönsten, zartesten und heftigsten Gefühl so einfach wie eindrückliche Geschichten gewidmet hat.

 Suhrkamp, ISBN 978-3-518-41961-8, Gebunden, 171 Seiten, 17,80 €

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Gsella - Nennt mich GottThomas Gsella - Nennt mich Gott
Schönste Gedichte aus 50 Jahren

Thomas Gsella ist ein legitimer Nachfolger Robert Gernhardts, auch wenn er nicht nur im alphabetisch geordneten Dichterlexikon knapp hinter dem Großmeister der humoristischen Lyrik bleibt. Gsellas Gedichte sind immer humorvoll, oft purer Nonsens, manchmal geistreich, aber sie erreichen fast nie die Tiefe der Gernhardtschen Werke. Gernhardt schaffte es in unnachahmlicher Weise, ein Gedicht vordergründig lustig erscheinen zu lassen und doch im Kern fast immer ein ernstes Thema zu behandeln.
Nun soll diese Besprechung ja aber keine Lobeshymne auf Robert Gernhardt werden, sondern einen Querschnitt aus 50 Jahren Gsella-Gedichte ehren. Deshalb sei hier ausdrücklich betont: Es lohnt, die schönsten Gedichte aus 50 Jahren Thomas Gsella zu lesen. Wir lächeln, wenn er uns zuzwinkert. Und das ist doch auch etwas.

Verlagsinfo:
Das Beste aus 50 Jahren Gsella: seinen ersten, noch tastenden Reim aus dem elften Monat, lebenskluge Fabeln, väterliche Bekenntnisse, bizarre Völkerverständigungsgedichte, zwiespältige Berufs- und Kinderhymnen, Fußballsonette dieses »Gottes der Fußballyrik« (taz) sowie, erstmals in Buchform, zahlreiche zeitkritische bis zeitverherrlichende Gedichte aus der TITANIC (mit Fotos) und unveröffentlichte neue Werke des »jüngsten Nachwuchsklassikers« (Eckhard Henscheid)

 Fischer Taschenbuch, ISBN 978-3-596-17915-2, Pappband, 320 Seiten, 9,95 €

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Dische - Loves-LiebenIrene Dische - Loves / Lieben

In vierundzwanzig kurzen Erzählungen - verfasst in amerikanischer Short-Story-Manier - plus einem Intermezzo und einem Epilog erzählt die deutsch-amerikanische Autorin Irene Dische von der Liebe. Es sind sehr unterschiedliche Geschichten mit jeweils sehr unterschiedlichen Arten der Liebe als Thema. Die 24 Texte sind unterteilt in je 12 mit einem traurigen und 12 mit einem glücklichen Ende. Aber nicht immer wird bei den meist überraschenden Schlüssen klar, warum es denn hier ein glückliches oder dort ein trauriges Ende sein soll. Denn die “glücklich” endenden Erzählungen haben meist kein “Happy End” - das Glück liegt eher im Verborgenen. Und die “traurig” endenden verheißen dem einen oder anderen Protagonisten letztlich doch ein wenig Glück in der Zukunft. Glück und Leid liegen im Leben und vor allem im Lieben halt dicht beieinander. Das ist wohl die Kernaussage von Irene Disches Erzählungen.
Dische schreibt in einer wunderbar leichten Sprache und sie vermag es, in nur wenigen Zeilen Personen und Orte klar zu skizzieren. Kaum ein Wort zuviel, wir meinen die Figuren nach wenigen Sätzen zu kennen - und sind umso verblüffter bei den überraschenden “Schlusspointen”. Große Literatur.

Verlagsinfo:
Liebe ist ein Ausnahmezustand und treibt nicht selten groteske Blüten. Oft hängt es nur von einer winzigen Wendung des Schicksals ab, ob es glücklich oder traurig für uns endet. Mit dem für sie typischen Augenzwinkern und diesem besonderen Talent für Überraschungen erzählt Irene Dische 24 Liebesgeschichten.
Irene Dische tut, was sie am besten kann: Geschichten erzählen. Zart, anrührend, bissig, komisch, verblüffend. Die Hälfte der hier versammelten Geschichten geht gut aus, die andere Hälfte nicht. Denn: Die Liebe ist zutiefst unfair. Und doch ist die Liebe das ganz große Gefühl, das uns lebenslänglich umtreibt. Im Ausnahmezustand des Verliebtseins werden Heldentaten und Verbrechen begangen. Irene Disches Erzähltempo ist hoch und die Pointen sitzen - was will man mehr!

 dtv, ISBN 978-3-423-13665-5, Taschenbuch, 288 Seiten, 8,90 €

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Falcones - Die Kathedrale des MeeresIldefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres

Ein netter hisorischer Roman - nicht mehr und nicht weniger.

Der spanische Autor Ildefonso Falcones (im wirklichen Leben Anwalt) erzählt in seinem Debütroman die Geschichte des Bauernsohnes Arnau, dessen sozialen Aufstieg vom Steinträger zum Seekonsul von Barcelona im 14. Jahrhundert. 
Der Roman plätschert so dahin, man ahnt schon bald, dass die Hauptfigur Arnau bei allen mittelalterlichen Grausamkeiten, die natürlich auch in diesem Roman nicht fehlen, dass dieser Arnau doch ein rechter Glückspilz ist, der, durch welche Zufälle und glücklichen Fügungen auch immer, ständig wieder auf die Füße fällt. Das nimmt uns Leser zwar für den sympathischen Gutmenschen ein, verhilft dem Text aber nicht gerade zu übermäßiger Spannung.
Freunde des historischen Romans werden trotzdem ihre Freude an diesem “dicken Schinken” haben, erfährt man doch einiges über das Leben und Leiden im Spanien des 14. Jahrhunderts.
Als Ganzes ist die Geschichte aber zu seicht.

Verlagsinfo:
Der kleine Arnau flieht mit seinem Vater Bernat vor einem brutalen Lehnsherren in das mittelalterliche Barcelona. Die Stadt steht in höchster Blüte, die Viertel wachsen bis hinunter ans Meer. Im Barrio der Töpfer und Hafenarbeiter finden Vater und Sohn Unterschlupf. Wärend Bernat in der Töpferei seines Schwagers arbeitet, zieht Arnau durch die Straßen und Gassen Barcelonas.
Dort erlebt der junge Arnau den Bau von Santa María del Mar, einer riesigen Kirche, die vom Volk für das Volk gebaut wird. Im Schatten des mächtigen Bauwerks erfährt er, welch schweres Los die Arbeit dort ist: Mit den anderen Steinträgern schleppt der Vierzehnjährige die riesigen Felsblöcke vom Montjuïc bis hinunter an den Hafen. Doch während sich die Kathedrale des Meeres in den Himmel reckt, wirft sie auch dunkle Schatten auf das Leben der Menschen. Das Volk leidet unter der Willkür des Adels, die Pest lauert vor den Toren. Und Arnaus Aufstieg zu einem der angesehensten Bürger der Stadt droht ihm zum Verhängnis zu werden: Er wird Opfer einer Intrige, und sein Leben gerät in höchste Gefahr.

 Scherz Verlag, ISBN 978-3-502-10097-3, Gebunden, 656 Seiten, 19,90 €

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Roth - Exit GhostPhilip Roth - Exit Ghost

Philip Roths Alter ego kehrt ein letztes Mal in die literarische Welt zurück. Und dies im doppelten Sinne. Denn Nathan Zuckerman kehrt nicht nur als Romanfigur zurück (Roth selbst sagt, dass “Exit Ghost” der letzte Zuckerman-Roman sei), sondern auch innerhalb der Geschichte des neuen Buches von Philip Roth kehrt Nathan Zuckerman nach elf Jahren freiwillig gewählter Isolation in den Berkshires in die literarische Welt New Yorks zurück. Noch einmal erlebt er Liebe, Verlangen, Mitleid, Trauer und Hass. Für kurze Zeit flackert sein früheres Leben noch einmal auf, doch Zuckerman merkt schnell, dass er diesem Leben nicht mehr gewachsen ist (er hatte Prostatakrebs, ist impotent, inkontinent und leidet vermehrt an Gedächtnisverlust - mit einem Wort: er fühlt sich alt).
Das Alter und die damit verbundene Angst vor der Liebes- und Lebensunfähigkeit ist anscheinend zurzeit das beherrschende Thema der gesetzteren Herren des Literaturbetriebs. Nach Martin Walser (“Angstblüte” und “Ein liebender Mann”) und Richard Ford (“Die Lage des Landes”) schreibt nun auch Philip Roth über die letzten (Liebes-)Zuckungen eines einst vitalen Mannes. Und in allen drei Fällen sind uns die Protagonisten wohlbekannt (aus vielen Romanen, die deren frühere Lebensstationen zum Thema haben) und geht uns ihr Schicksal deshalb umso mehr zu Herzen.
Philip Roth hat mal wieder ein tolles Buch vorgelegt, aber an “Der menschliche Makel” reicht es wohl doch nicht ganz heran. “Exit Ghost” ist jedoch absolut lesenswert - auch wenn ich das Thema langsam nicht mehr hören/lesen kann.

Verlagsinfo:
Nathan Zuckerman, Roths langjähriger Held und vielleicht sein Alter Ego, kehrt nach New York zurück, um dann für immer abzutreten. Er trifft in Manhattan ein junges Paar, das nach dem 11. September der Stadt entfliehen will, und bietet ihnen einen Wohnungstausch an - nicht ohne Hintergedanken. Ihn fasziniert Jamie, die junge Frau, und ihn überfallen Gefühle, die er längst überwunden glaubte. Durch sie lernt er einen Mann kennen, der die Biographie des vom jungen Zuckerman verehrten Schriftstellers Lonoff schreiben möchte. Auf einmal ist Zuckerman so involviert, wie er es nie mehr sein wollte. Liebe, Trauer, Begehren und Ressentiment, alles ist wieder da.

 Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-23001-9, Gebunden, 304 Seiten, 19,90 €

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Suter - Der letzte WeynfeldtMartin Suter - Der letzte Weynfeldt

Der Mann beherrscht sein Handwerk

Dieser Roman ist sicher nicht literarisch überambitioniert und er bietet auch keine Experimentalliteratur. Seine Sprache ist ebensowenig prätentiös wie anbiedernd. Martin Suter findet eine schöne Sprache, die angenehm zu lesen ist, die aber nie ins Seichte oder Triviale abgleitet.
Der Roman erzählt von einem Mann, der alles zu haben scheint, der sich in seinem Leben, in seiner Routine eingerichtet hat und der durch eine zufällige Begegnung aus der Bahn geworfen, aber ins wahre Leben zurückgeworfen wird.
Liebesgeschichte, Krimi aus der Kunstszene und Porträt eines Mannes in mittleren Jahren - all das und noch viel mehr ist dieses Buch.
Dem schweizer Erfolgsautor ist einfach ein herausragendes, handwerklich perfektes, schön zu lesendes Buch gelungen.

Verlagsinfo:
Ein wohlhabender Junggeselle, der sich von der Liebe nichts mehr verspricht. Eine schöne junge Frau mit schillernder Vergangenheit. Ein Bild und sein Preis. Eine Auktion, die die Kunstszene in Aufruhr versetzt – und einige Zukurzgekommene, die teilhaben wollen am großen Geld.
Adrian Weynfeldt, Mitte fünfzig, Junggeselle, großbürgerlicher Herkunft, Kunstexperte bei einem internationalen Auktionshaus, lebt in einer riesigen Wohnung im Stadtzentrum. Mit der Liebe hat er abgeschlossen. Bis ihn eines Abends eine jüngere Frau dazu bringt, sie – entgegen seinen Gepflogenheiten – mit nach Hause zu nehmen. Am nächsten Morgen steht sie außerhalb der Balkonbrüstung und droht zu springen. Adrian vermag sie davon abzuhalten, doch von nun an macht sie ihn für ihr Leben verantwortlich. Immer wieder nötigt sie ihn, sie aus ihren Schwierigkeiten zu befreien. Weynfeldts geregeltes Leben gerät aus den Fugen – bis er schließlich merkt, dass nichts ist, wie es scheint.

 Diogenes Verlag, ISBN 3-257-06630-9, Gebunden, 320 Seiten, 19,90 €

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Walser - Ein liebender MannMartin Walser - Ein liebender Mann

Ein mutiges Projekt

Martin Walser riskiert mit seinem neuen Roman “Ein liebender Mann” den Vergleich mit Thomas Manns “Lotte in Weimar” und letztlich sogar mit Goethe selbst. Er schildert in diesem Roman Goethes letzte große - unerwiderte - Liebe zur vierundfünfzig Jahre jüngeren Ulrike von Levetzow.
Walser gelingt es dabei vortrefflich die Handlung und vor allem die Gefühle - Goethes Gefühle - authentisch erscheinen zu lassen. Er trifft den richtigen Ton, sodass wir uns während des gesamten Romans ganz bei Goethe fühlen. Wir haben das Gefühl, dass wir sein Tagebuch lesen - auch wenn der Roman in der dritten Person geschrieben worden ist.
Erst mit dem letzten Satz beraubt uns Walser unserer Illusion. Er weckt uns quasi auf und ruft uns zu: “Hallo, aufwachen! Ich war’s, der Walser! Alles nur Fiktion.”
Doch trotz des letzten Satzes - dieses Buch hält dem Vergleich mit Thomas Mann stand. Ein großer Wurf.

Verlagsinfo:
Der 73-jährige Goethe – Witwer und so berühmt, dass sein Diener Stadelmann heimlich Haare von ihm verkauft – liebt die 19-jährige Ulrike von Levetzow. 1823 in Marienbad werden Blicke getauscht, Worte gewechselt, die beiden küssen einander auf die Goethe’sche Art. Er sagt: Beim Küssen kommt es nicht auf die Münder, die Lippen an, sondern auf die Seelen. «Das war sein Zustand: Ulrike oder nichts.» Aber sein Alter holt ihn ein. Auf einem Kostümball stürzt er, und bei einem Tanztee will sie ein Jüngerer verführen. Der Heiratsantrag, den er Ulrike trotzdem macht, erreicht sie erst, als ihre Mutter mit ihr nach Karlsbad weiterreisen will. Goethe, mal hoffend, mal verzweifelnd, schreibt die «Marienbader Elegie». Zurück in Weimar, lässt ihn die eifersüchtige Schwiegertochter Ottilie nicht mehr aus den Augen. Martin Walsers neuer Roman erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe: bewegend, aufwühlend und zart. Die Glaubwürdigkeit, die Wucht der Empfindungen und ihres Ausdrucks – das alles zeugt von einer Kraft und (Sprach-)Leidenschaft ohne Beispiel.

 Rowohlt Verlag, ISBN 978-3-498-07363-3, Gebunden, 288 Seiten, 19,90 €

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Tom Wolf - Purpurrot. Tödliche Passion

Wolf - PurpurrotUnterhaltsame Krimireihe

Mit den Preußen-Krimis um Honoré Langustier hat sich inzwischen eine unterhaltsame Krimireihe etabliert. Honoré Langustier ist eigentlich der Zweite Hofküchenmeister am Hofe Friedrich des Großen, im “Nebenjob” wird er von Friedrich II jedoch immer wieder zur Auflösung kniffliger Kriminalfälle eingesetzt. Mit der Figur des Langustier ist dem Autor Tom Wolf eine wunderbar sympathische Figur gelungen, hin und her wechselnd zwischen üppigen Mahlzeiten (deren Menüfolgen im übrigen ausführlich beschrieben werden) und unorthodoxen Ermittlungen, immer mit menschlichen Schwächen kämpfend.
Die Krimireihe ist sicherlich keine große Literatur, aber für Liebhaber historischer Kriminalromane eine äußerst unterhaltsame Lektüre. Klassische Whodunit-Krimis in historischem Ambiente. Tom Wolf vermischt hier historische Persönlichkeiten mit erfundenen Figuren. Wobei kein Außenstehender bemerken wird, wer “echt” ist und wer nicht (steht aber im Register). Und man erfährt viel über das Leben am Hofe Friedrich des Großen - wunderbar dessen schlechtes Deutsch, einfach köstlich.
Purpurrot ist der zweite Band der Reihe, einige weitere (und ein Honoré-Langustier-Kochbuch) folgten bereits.

Klappentext:
Ostern 1750: Bei einem königlichen Bankett im Jagdschloss Grunewald bricht ein Gast mit heftigen Koliken zusammen. Die Adjutanten vermuten einen Anschlag auf den König. Der für die Mahlzeit verantwortliche Zweite Hofküchenmeister Honoré Langustier gerät unter Tatverdacht. Noch während Langustier bemüht ist, seine Unschuld zu beweisen, findet man den kaum wieder genesenen Gast, den Gutsbesitzer Carl Gustav von Randow, tot in einem übel beleumundeten Etablissement in Berlin. Alles deutet nunmehr auf einen gezielten Giftmord hin. Der König erinnert sich der Erfolge seines Koches bei der Aufklärung eines früheren Mordfalles und beauftragt ihn mit den Nachforschungen. Langustiers Ermittlungen zielen offenbar in die richtige Richtung, denn bald trachtet ihm sein unbekannter Gegner nach dem Leben. Doch der Koch hat unerschrockene Helfer.

Be.bra Verlag, ISBN 3-89809-013-2, Paperback, 256 Seiten, 9,90 €

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Ford - Die Lage des LandesRichard Ford - Die Lage des Landes

Würdiger Abschluss

Mit “Die Lage des Landes” hat Richard Ford die 1986 mit “Der Sportreporter” begonnene Trilogie zu einem würdigen Abschluss gebracht. Diesmal zeigt uns der Autor seinen Helden Frank Bascombe am Thanksgiving-Wochenende des Jahres 2000. Thanksgiving - eine gute Gelegenheit sein Leben Revue passieren zu lassen und letztendlich dem Schöpfer Dank zu sagen für ein ordentliches Leben mit Höhen und Tiefen.
Frank Bascombe ist inzwischen Mitte Fünfzig, hat Prostatakrebs und wurde gerade von seiner zweiten Frau verlassen. Aber er nimmt sein Schicksal an und fühlt sich in der nun erreichten “Permanenzphase” eigentlich ganz wohl. Aber das Thanksgiving-Wochenende hat noch ein paar Überraschungen für ihn parat.
Wie schon in den beiden Vorgängerbüchern “Der Sportreporter” und “Unabhängigkeitstag (1995)” zeigt uns Richard Ford neben der persönlichen Frank-Bascombe-Geschichte auch wieder die Befindlichkeit der USA und ihrer Bürger (eben “Die Lage des Landes”), diesmal kurz vor 9/11.

Vielleicht sind einige Teile der Handlung etwas weit hergeholt, aber der Roman vermittelt uns ein gutes Bild der Vereinigten Staaten vor George W. Bush.

Klappentext:
Wiedersehen mit Frank Bascombe, dem Helden von Der Sportreporter und Unabhängigkeitstag — er ist 55 Jahre alt und freut sich, mit schöner Strandvilla und zweiter Ehefrau Sally, auf den nächsten, ruhigeren Lebensabschnitt. Die „Permanenzphase“, wie er dieses Hochplateau des erfüllten Lebens nennt, erweist sich jedoch als trügerisch: Sallys erster, tot geglaubter Ehemann taucht wieder auf, und sie geht mit ihm fort, um die Dinge zu klären. Kurz darauf wird bei Frank Prostatakrebs diagnostiziert.
Und nun naht Thanksgiving, das uramerikanische Fest der Familie. Wie fest der Boden unter seinen Füßen wirklich ist, muss sich bei jedem Schritt neu zeigen.

In dem ominösen Millenniumsjahr 2000, dessen Herbst von den „gestohlenen Wahlen“ und George Bushs billigem Triumph geprägt ist, zieht Frank Bascombe, der nette, vernünftige Nachbar, Bilanz. Wie die Dinge liegen in seinem Leben und an der Küste von New Jersey, das beschreibt er mit Detailschärfe und großem Humor und denkt nach über Loslassen und Verlust, über die eigene Lebensleistung und Vergänglichkeit — und über die Hoffnung, denn, ja, nach allen erdbebenartigen Umwälzungen, die dieser Roman grandios, einfühlsam und mitreißend schildert, hat Frank noch einiges vor sich.

Berlin Verlag, ISBN 3-8270-0065-3, Gebunden, 688 Seiten, 24,90 €

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Grass - Sämtliche GedichteGünter Grass - Sämtliche Gedichte

Ein interessanter Überblick

Günter Grass, der sich ja selbst als Lyriker bezeichnet, muss von großen Teilen der Öffentlichkeit als solcher erst noch entdeckt werden. Dieses Buch bietet die beste Gelegenheit dazu, denn hier werden erstmals alle Gedichte des Nobelpreisträgers vom ersten Lyrikband "Die Vorzüge der Windhühner" aus dem Jahr 1956 bis zur jüngsten Sammlung "Dummer August" aus diesem Frühjahr in einem - zudem mit 10 Euro auch noch erschwinglichen - Buch veröffentlicht. Man erhält einen schönen Überblick über das lyrische Schaffen des zuletzt umstrittenen Künstlers. Nebenbei erhält man auch noch eine, wenn auch etwas linkslastige, Kurzchronolgie der deutschen Nachkriegsgeschichte. Aber neben den politischen Themen, nehmen vor allem die privaten, ja intimen Gedichte einen großen Raum ein. Und gerade hier finden sich die schönsten Zeilen dieses Buches, erlauben sie doch einen tiefen Einblick in die Schriftstellerseele. Grass zeigt sich uns völlig schamlos - und das ist gut so. Viele Gedichte sind heute allerdings einfach nur noch unverständlich, dienen bestenfalls noch als Zeitkolorit. Dennoch, wer den Meister der großen Form ("Die Blechtrommel", "Der Butt", "Im Krebsgang", "Beim Häuten der Zwiebel" etc.) einmal als Lyriker kennen lernen möchte, dem sei dieses Buch durchaus empfohlen.

Klappentext:
Zum 80. Geburtstag von Günter Grass - Sämtliche Gedichte des Nobelpreisträgers in einem Band

Von seinen ersten Gedichten aus ›Die Vorzüge der Windhühner‹ von 1956 bis hin zu den im Frühjahr 2007 erschienenen Gedichten des Bandes ›Dummer August‹ versammelt dieser Lyrik-Band sämtliche Gedichte des Nobelpreisträgers.
 

dtv, ISBN 978-3-423-13607-5, Taschenbuch, 656 Seiten, 10,00 €

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Franck - Die MittagsfrauJulia Franck - Die Mittagsfrau

Schwere Schicksale - große Literatur

Familiengeschichte, Zeitgeschichte, ein Entwicklungsroman, ein Schicksalsroman. Dieser Roman bietet viel. Um es vorwegzunehmen, dies ist wohl Julia Francks literarisch ambitioniertester Roman - und er ist gelungen. In einer unglaublich sinnlichen Sprache erzählt Julia Franck die tragische Lebensgeschichte einer Frau, die "am Herzen erblindet". Und ganz nebenbei erleben wir die Entwicklung Deutschlands vom Anfang des letzten Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit hinein. Zu Beginn sehen wir einen siebenjährigen Jungen, der auf irgendeinem vorpommerschen Bahnhof von seiner Mutter sitzen gelassen wird. Wir sind geschockt. Und dann beginnt die eigentliche Geschichte. Wir erfahren anhand der Lebensgeschichte der Mutter, wie es zu dieser unfassbaren Tat kommen konnte. Und wir sind gar nicht mehr so schockiert. Wir begreifen, dass diese Mutter wohl kaum eine andere Wahl hatte und dass sie bei dieser Tat tatsächlich nur das Beste für Ihren Sohn im Sinn hatte. Leider nimmt das Schicksal des Jungen nicht den von ihr erhofften Lauf, aber das ist eine andere Geschichte...
Julia Franck beherrscht die Sprache von der ersten bis zur letzten Zeile. Das ist große Literatur, die an Grass (in seiner besten Zeit) und manchmal auch ein wenig an Thomas Mann erinnert.

Klappentext:
In der Lausitz verlebt Helene eine idyllische Kindheit, die mit Ausbruch des ersten Weltkriegs jäh endet. Der Vater wird nach Osten geschickt und kehrt nur zum Sterben nach Hause zurück, die jüdische Mutter zieht sich zunehmend vor den Anfeindungen ihrer Umgebung in die Verwirrung zurück. Blind am Herzen nennt Helene das und fürchtet die zunehmende Kälte der Mutter, die ihre Töchter kaum mehr wahrzunehmen scheint. Helene möchte Medizin studieren, ein ungewöhnlicher Traum für eine Frau zu Beginn des Jahrhunderts. Nach dem Tod des Vaters zieht sie Anfang der zwanziger Jahre mit ihrer Schwester Martha nach Berlin, und während Martha ihrer Freundin Leontine wieder begegnet, lernt Helene Carl kennen. Als der kurz vor der Verlobung stirbt, verliert sie den Sinn für das Dasein. Sie flieht in die Arbeit und will das Leben überleben. Auf einem Fest stellt sich ein gewisser Wilhelm vor, er ist begeisterter Ingenieur, der Reichsautobahnen bauen und Helene heiraten möchte. Die schnell scheiternde Ehe mit ihm führt Helene nach Stettin, wo ihr Sohn zur Welt kommt. Die Liebe, die der kleine Junge fordert, die Nähe, die er sucht, werden ihr zunehmend unerträglich, und bald schon geht ihr der Gedanke vom Verschwinden nicht mehr aus dem Kopf. Schließlich trifft sie eine ungeheuerliche Entscheidung. Zwei Weltkriege, Hoffnungen, Einsamkeit und Liebe - und die Erkenntnis, dass alles verloren gehen kann. Julia Franck erzählt ein Leben, das in die Mühlen einer furchtbaren Zeit gerät. Ein ungewöhnlicher Familienroman, ein eindringliches Zeitepos und die Geschichte einer faszinierenden Frau.

S. Fischer Verlag, ISBN 3-10-022600-3, gebunden, 432 Seiten, 19,90 €

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Robert Menasse - Don Juan de la Mancha
oder Die Erziehung der Lust

Menasse - Don Juan de la Mancha1Das fängt ja gut an...

Ein wunderbarer erster Satz - der viel verspricht. Doch leider werden die Erwartungen nicht erfüllt. "Don Juan de la Mancha" ist ein unruhiges Buch. Satzfetzen im Stakkatostil wechseln sich ab mit langen, fast schon poetischen Passagen. Man kann Robert Menasse allerdings zugute halten, dass sich in diesem Stil der unstete Lebenswandel des Protagonisten widerspiegeln soll. Nathan, der Ich-Erzähler, irrt durchs Leben, immer auf der verzweifelten Suche nach der großen Liebe und dem großen Glück. Doch beides findet er nicht. So wie seine Mutter das Unglück bei den Männern fand, so schlittert auch Nathan von einer Enttäuschung zur nächsten.

Leider verliert man als Leser durch Rückblenden und Vorausschauen schnell den Überblick was Nathans Frauenbekanntschaften anbetrifft. Das verleidet einem die Lektüre etwas. Doch es gibt zum Glück auch immer wieder sehr gelungene Sätze und Passagen, in denen Menasse viel Witz und Humor zeigt.

Kein ganz schlechtes Buch, aber auch kein großer literarischer Wurf. Der Text wirkt mehr wie eine Schreibübung.

Klappentext:
“Man kann nur mit der ersten Frau oder mit der letzten glücklich werden”, sagt der Vater und fasst so das Dilemma des Verführers zusammen. Auch Nathan, der nie ganz aus seines Vaters Schatten getretene Sohn, ist ein Verführer. Schnell sind wir ihm verfallen, dem melancholischen, tragikomischen Wiederholungstäter im ritterlichen Kampf um die Rettung der Liebe. Und schnell sympathisieren wir mit den unverwechselbaren Frauen, die seinen Weg kreuzen. Nathans Vater suchte sein Glück bei den Frauen, Nathans Mutter fand ihr Unglück bei den Männern. Nathan bricht auf in die Welt, um alles ganz anders zu machen. Was macht er ganz anders? Nichts. Nur die Bedingungen haben sich geändert, die Ansprüche. Nathan, bei seiner Zeitung zuständiger Redakteur für das Ressort 'Leben', verkörpert die Generation der Nach-68er. Unter dem Diktat der Emmas und Bettys darf er seine Männlichkeit zwar ausleben, aber nicht mehr genießen. 

Suhrkamp Verlag, ISBN 3-518-41910-2, gebundene Ausgabe, 274 Seiten, 18,80 €

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Ian McEwan - Am Strand

McEwan - Am StrandWie ein Augenblick den Verlauf zweier Leben beeinflusst

Ian McEwan zeigt in seinem neuen - kurzen - Roman am Beispiel einer Hochzeitsnacht, wie innerhalb weniger Stunden, ja Augenblicke die Weichen zweier Lebensgleise neu gestellt werden. Und zwar auf so brutale Weise, dass es keine Möglichkeit zur Umkehr mehr gibt. Edward und Florence sind so in der Moral ihrer Zeit verhaftet, dass ihnen die Hochzeitsnacht völlig misslingt. Da beide nicht gelernt haben über ihre Gefühle und Wünsche zu sprechen, treiben sie sich gegenseitig ungewollt in eine Sackgasse aus der es kein Zurück mehr gibt. Ohne die Ehe vollzogen zu haben, ohne ein einziges Mal vierundzwanzig Stunden miteinander verbracht zu haben, lassen sie sich wieder scheiden.
McEwan zeichnet in Florence und Edward zwei Charaktere, deren Sprachlosigkeit und innere Zerrissenheit gekonnt skizziert werden. Jeder hat seine ihn prägende Vorgeschichte und jeder der beiden wird vom anderen für den Rest seines Lebens geprägt - jeder auf seine Weise.
Wie wäre das Leben dieser beiden sich liebenden Menschen verlaufen, wenn sie in dieser Nacht (oder auch schon vorher) offen aufeinander zugegangen wären? Wir wissen es nicht, aber nach der Lektüre dieses Buches sind wir überzeugt davon, dass für diese beiden Menschen, in dieser Zeit, mit diesen Vorleben kein anderer Verlauf der Ereignisse möglich war. Beide Eheleute sind Sklaven ihrer Erziehung und der gesellschaftlichen Konventionen. Es gibt kein Entrinnen. Das gilt es mit Bedauern zu konstatieren. 

Klappentext:
Das Schlimmste am Heiraten ist die Hochzeitsnacht. Zumindest für Edward und Florence, 1962 im prüden England. Begierde und Befangenheit, Anziehung und Angst sind miteinander im Widerstreit in der Hochzeitssuite mit Blick aufs Meer. Die Nacht verändert das Schicksal der Liebenden für immer.

Diogenes, ISBN 3-257-06607-4, gebundene Ausgabe, 208 Seiten, 18,90 €

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Sabine Weigand - Die Königsdame.
Die Osmanin am Hofe August des Starken

Weigand - Die Königsdame1Gelungener, vorbildlicher Genreroman

Wer ein Faible für historische Romane hat, wird dieses Buch lieben. Aber auch die, denen historische Romane vom Umfang her zu dick und vom Inhalt her oftmals zu flach sind, werden an diesem Buch wenig auszusetzen haben. Zum einen hat es mit etwa 460 Seiten noch einen angenehm überschaubaren Umfang (für mich kam das Ende sogar zu früh) und zum anderen ist es inhaltlich alles andere als flach. Sabine Weigand hat die seltene Gabe als Historikerin auch noch gut schreiben und fabulieren zu können. Und genau das ist die Stärke dieses Buches. Es ist faktenreich und detailgenau, gerade was das Zeitkolorit betrifft, und doch sind die vielleicht schönsten Momente und Szenen erdacht. Historische Personen werden mit erfundenen so kunstvoll verwoben, dass man gar nicht merkt, wer war real und wer entspringt der Phantasie der Autorin. Wobei die schönsten Figuren die erfundenen (oder wie bei der titelgebenden Protagonistin, mangels historischer Quellen, teilerfundenen) sind. So sollte ein historischer Roman sein. Liebe, Leid, Tragik, Krieg, rauschende Feste - und das alles mit einem wahren Kern, historisch genau recherchiert und beschrieben.

Klappentext:
Als junges Mädchen kommt Fatmah nach Dresden. Angstvoll und alleingelassen muss sie die fremden Sitten am sächsischen Hof erlernen. Sie wird Zofe von Augusts mächtigster Mätresse, Constantia von Cosel. Bis Fatmah selbst das Interesse des Königs erregt und für Constantia zur Rivalin wird. Wem kann Fatmah am Hofe trauen? De Villeroy, dem französischen Gesandten, der sich elegant über Augusts mangelndes Kriegsglück lustig macht? Oder dem jungen polnischen Grafen Worowski, der im Geheimen für die Freiheit seines Volkes kämpft? Da gerät Fatmah in eine Intrige um Magie, Mord und Verrat. Kann die Königsdame ihr Schicksal wenden? Spannend, authentisch erzählt, historisch präzise - der neue Roman von Sabine Weigand.

Krüger, ISBN 3-8105-2662-2, gebundene Ausgabe, 18,90 €

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Manuel Andrack - Wandern.
Das deutsche Mittelgebirge für Amateure und Profis

Andrack - Wandern2Wieder ein Wander(ver)führer

Nach "Du musst Wandern" das zweite Wanderbuch des selbsternannten "Wanderpapstes" Manuel Andrack. Und wieder gelingt es dem "Ko" von Harald Schmidt uns seinen Spaß und seinen Enthusiasmus beim Wandern zu vermitteln. Er zeigt, dass Wandern auch heute nicht nur eine angestaubte Freizeitbeschäftigung für Senioren ist, sondern dass Wandern absolut zeitgemäß und in ist. Mit seiner lockeren Schreibe erzählt er uns seine autobiografischen Wandererlebnisse und wir merken wie spannend, abwechslungsreich und erfüllend Wandern sein kann. Nebenbei erfahren wir noch die eine oder andere interessante Hintergrundinformation am Rande. Andrack nimmt sich aber vor allem selbst nicht so ernst und versäumt auch nicht, darauf hinzuweisen, dass Wandern auch krankhafte Züge annehmen und zur Sucht werden kann. Spaß am Wandern vermitteln, das kann er auf jeden Fall. Auch wenn die einzelnen Geschichten diesmal an manchen Stellen etwas mühsam zusammengetragen wirken (das war bei ersten Buch noch besser) und mir vor allem der jeweilige (meist sehr weit hergeholte) Bezug zu Theaterstücken am Anfang der einzelnen "Wanderungen" nicht ganz einleuchtet.

Klappentext:
Mit 'Wandern' bekommen Sie das komplette deutsche Mittelgebirge und noch mehr! Mehrere 1000 Kilometer Wanderwege ziehen sich durch die deutschen Mittelgebirge. Es gibt Qualitätswege und Fernwege, Naturschutzgebiete und Nationalparks. Wer soll da noch den Überblick behalten? Der 'deutsche Wanderpapst', wie ihn die internationale Wanderpresse taufte, testet, ob das angeblich schönste Wanderland der Welt wirklich etwas taugt. Glühend heiße Tage im australischen Outback überstanden, eine Tour quer durch die Sahara gemacht. Mit dem Motorrad gleich mehrere Jahre unterwegs gewesen. Den Kilimandscharo bestiegen. Die Welt umsegelt. In der Antarktis knapp der Schneeblindheit entgangen. Auf dem Jakobsweg Santiago de Compostela erreicht. Den Mont Ventoux mit dem Fahrrad bezwungen und natürlich zu Fuß nach Moskau gegangen. Nichts davon hat Manuel Andrack zu bieten. Er lief nie Gefahr, dass ihm seine Zehen erfroren wären oder der Sauerstoff knapp wurde. Die Wege waren meist markiert, und religiöse Ziele verfolgte er auch nicht. Er wollte eigentlich immer nur wandern - annehmbare Herausforderungen, keine Grenzerfahrungen. Oder stimmt das vielleicht nicht? Er erzählt von Wanderungen, die lebensrettende Operationen überflüssig machten und von Basketballkörben am Rheinsteig. Und viele haben sich schon gefragt: Was sind eigentlich Flusstalwanderbahnen, und was hat es mit der erotischen Komponente beim Wandern auf sich? Und wie verhält man sich richtig auf einer Winterwanderung? Auf vereisten Wegen und durch endlose Schneeverwehungen - da lassen sich auch Gedanken an Schneeblindheit und Gott nicht länger verdrängen. Alles dazu im neuen Andrack.

Kiepenheuer & Witsch, ISBN 9783462037456, Taschenbuch, 8,95 €

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Max Goldt - QQ

Goldt - QQQuiet Quality - der Titel ist Programm

QQ für Quiet Quality (der Autor selbst übersetzt es als “stille Güte”), also Qualität, die nicht marktschreierisch daherkommt. Der Titel spricht Bände. Inhaltlich war Max Goldt schon besser, zumindest das eine oder andere Essay hat wirklich nur sehr verborgene inhaltliche Qualität. Aber diese Sprache! Wer im deutschsprachigen Raum verfügt über eine solche Sprache, eine solche Sprachvielfalt und -eleganz? Man liest die Texte - und kann sich nur an ihrem Stil laben. Der Inhalt kann einem dabei egal sein - muss es aber (in vielen Fällen) nicht. Wer literarische Qualität, zumal Sprachqualität liebt, der kommt an Max Goldt nicht vorbei.

Klappentext:
Schon in seinem letzten Buch hat Max Goldt, umsichtiger Schriftsteller, der er ist, das Grund- und Hauptmotiv seines neuen Buches angekündigt: <MODERATOR: Warum legen eigentlich heute so viele Frauen Wert darauf, möglichst gemein zu sein? Jede noch so biedere Seriendarstellerin sagt im Fernsehen, dass sie am liebsten <bitterböse> sei, und selbst meine gute Mutter liest nur noch Bücher, in denen Frauen ihre Gatten im Schornstein einmauern. PETRA HIPPROTH (Krimiautorin): Ach, das sind halt ins Ritualhafte abgedriftete Überbleibsel eines einstmals berechtigten Widerstands gegen das Postulat des Sanften. Alter Käse, streng genommen. Das wird sich schon wieder beruhigen. Ich bewege mich schon seit längerem davon weg, ich verspüre mehr so einen Drall in Richtung QQ. MODERATOR: QQ? Sie verwenden heute ziemlich exotische Ausdrücke. PETRA HIPPROTH: Kennen Sie nicht QQ? Das steht für 'quiet quality' - stille Güte. Ein neues Schlagwort aus den USA für alles, was nicht schreit und spritzt. Da ich mir allerdings einmal eine schöne Wohnung im Augustinum leisten möchte, also in einem dieser Altersheime für gutsituierte Leute mit ein bisschen Hirn, habe ich mir ausgerechnet, dass ich noch fünf Jahre schreien und spritzen muss, und dann kann's losgehen mit QQ.>

Rowohlt Berlin Verlag, ISBN 9783871345814, gebunden, 17,90 €

 

 

Hans Joachim Schädlich - Vorbei

Schädlich - VorbeiIrgend etwas fehlt und eines ist zuviel...

Schädlich erzählt in drei kurzen Erzählungen direkt oder indirekt vom Tod dreier historischer Persönlichkeiten, Robert Louis Stevenson, Johann Joachim Winckelmann und Antonio Rosetti. Alle drei ereilt der Tod in einem "ungünstigen" Moment. Bei allen Erzählungen ist Schädlichs Sprache verknappt, geradezu minmalistisch. Und dennoch findet er für jede Geschichte einen eignenen Ton. Nur eines stört diese auch oder gerade in ihrer Kargheit schöne Sprache, ja es steht für mich sogar im krassen Widerspruch zu ihr: die geradezu manische Aufzählung von Namen. Jede noch so unwichtige Nebenfigur (manchmal sind es nicht einmal Nebenfiguren) wird namentlich erwähnt. Warum? Mich stört es. Dadurch fehlt den Erzählungen das i-Tüpfelchen, um sie zu perfekten Texten werden zu lassen.

Klappentext:
TUSITALA: Auf dem Schiff, mit dem der niederländische Admiral Roggeveen 1721 aufbrach, um das Südland zu finden, reist der schottische Arzt Dr. Clark mit Freunden und Verwandten des Dichters nach Samoa, er will Robert Louis Stevenson besuchen. Ereignisse des 19. und des 18. Jahrhunderts spiegeln sich geheimnisvoll ineinander. TORNIAMO A ROMA: Winckelmann in Italien. Auf dem Vesuv 'brieten wir Tauben an dem feurigen Flusse und nahmen unsere Abendmahlzeit nackt ein'. CONCERT SPIRITUEL: 'Stationen im Leben des Komponisten Antonio Rosetti - sein Requiem wurde bei der Trauerfeier für Mozart in Prag aufgeführt - in Wallerstein, Ludwigslust und leider nur beinahe in Berlin.'Die drei Erzählungen gehen ohne Sentimentalität und falsches Tremolo auf das Ende dreier Leben zu. Schädlichs Stil ist fast noch konziser geworden, kein Prunk, kein falscher Schmuck, kein Kokettieren mit dem Leser - klare, gute Sprache. Kein Zweifel, Schädlich ist einer der wichtigsten heute schreibenden deutschen Autoren.

Rowohlt Verlag, ISBN 9783498063795, gebunden, 16,90 €

 

 

Jonathan Franzen - Die Unruhezone
Eine Geschichte von mir

Franzen - Die UnruhezoneEin überflüssiges Buch

Ein gänzlich überflüssiges Buch! Unzusammenhängende Kapitel, meist lustlos und selbstverliebt erzählt. Nur selten blitzt das Können Franzens durch, beispielsweise im besten Kapitel "Die Fremdsprache". Hier sind ein paar schöne, humorvolle Szenen zu finden. Aber alles in allem ein planloses Werk, keine Biografie, kein Roman, aber auch keine Erzählungen. Der Volksmund würde sagen: Geschwafel.

Klappentext:
Jonathan Franzen war ein Junge, der vor vielem Angst hatte: Tanzunterricht, Pissoiren, seinen Eltern. Er liebte Charlie Brown und wollte auf keinen Fall im Abseits stehen. Im Sommer fuhr er in christliche Feriencamps, und von einer Österreicherin in irritierend kurzen Röcken lernte er erste Brocken Deutsch. Bei seinem Bemühen, endlich seine Jungfräulichkeit zu verlieren, spielte Kafka eine Rolle, wie auch auf seinem Weg zum Schreiben. 'Die Unruhezone' ist beides: Geschichte einer Jugend im amerikanischen Mittelwesten und eines Erwachsenenlebens in New York - mit berührenden Schilderungen etwa von Franzens Nöten beim Verkauf des Elternhauses nach dem Tod der Mutter und großartigen Verknüpfungen zwischen seiner gescheiterten Ehe, dem Problem der Erderwärmung und den Lebenslektionen, die man beim Beobachten von Vögeln lernt. Ein vielfarbiges, zwischen komisch-trotziger Selbstbefragung und Empathie oszillierendes Porträt einer amerikanischen Mittelschichtfamilie und eines Menschen in seiner Zeit.

Rowohlt Verlag, ISBN 9783498021160, gebunden, 19,90 €

 

 

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